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Still-BH

In aller Kürze

  • die richtige Unterstützung der laktierenden Brust ist wichtig
  • Stillende greifen häufig zu keinem/dem falschen BH
  • schlecht sitzende BHs erhöhen das Milchstau-Risiko!
  • das Angebot an gut sitzenden, in den Größen variablen Still-BHs ist in Deutschland noch ausbaufähig (vor allem in klassischen Anlaufstellen wie Babymärkten & Textil-Diskountern)

Für die Stillberatung gilt:
Schlecht sitzende BHs können auf das Brustgewebe drücken und Milchstau begünstigen. Zusätzlich belasten sie die (meist sowieso angespannten) Rücken- und Nackenmuskeln, die Stillende klagt vielleicht über Rückenschmerzen beim Stillen oder über Kopfschmerzen. Wenn alle anderen Ursachen dafür ausgeschlossen werden konnten, lohnt sich ein tieferer Blick in die BH-Schublade!

Still-Bh #nursingbra

Still-BH oder kein Still-BH?

Diese Entscheidung kann keiner Stillenden abgenommen werden. Für Stillende mit größerem Busen sind sie in der Regel komfortabler, Stillende mit kleinerem oder insgesamt sehr festem Brustdrüsengewebe kommen häufig auch gut ohne (oder nur mit Tops, Bustiers usw.) zurecht.

In diesem Text wird es aber vorrangig um den Support von Stillenden gehen, die explizit nach einem Still-BH fragen oder bereits einen tragen (und nicht darauf verzichten wollen/können).

Ammenmärchen rund um den Busen

Wir kennen sie alle. Aber diese beiden sind vor allem rund um das Thema BH häufiger zu finden:

Durch Stillen bekommt man Hängebrüste.
Falsch! Die Form der Brust ist genetisch festgelegt. Die Brust wird in der Schwangerschaft auf das Stillen vorbereitet, diese Veränderung passiert unabhängig vom Stillwunsch der zukünftigen Mutter. Nach dem Abstillen – egal, ob sofort nach der Entbindung oder Monate danach – dauert es einige Zeit, bis das Drüsengewebe sich zurückgebildet hat und wieder mehr Fett eingebaut wird. Dann hat die Brust wieder ihre Form. Ganz gering kann sich die Größe der Brust ggf. durch Gewichtszu- oder abnahme verändern. Die größten Veränderungen passieren somit nach der Pubertät, durch die Schwangerschaft und durch das Älterwerden. Wer keine Veränderung an der Brust möchte, müsste diese natürlichen Vorgänge verhindern.

https://www.bdl-stillen.de/ammenmaerchen-uebers-stillen.html

Auf der Seite von Eva Vogelsang gibt es eine lange und sehr ausführliche Betrachtung herrschender Ammenmärchen zum Stillen allgemein: Ammenmärchen.

# 19. Kleine Brüste geben wenig Milch
Falsch! Die Größe der Brust sagt nichts über ihre Fähigkeit aus Milch zu bilden. Ausschlagegebend ist der Anteil des milchbildenden Milchdrüsengewebes. Im Umkehrschluss bilden danach große Brüste auch nicht zwangsläufig viel Milch.

https://lansinoh.de/25-mythen-und-ammenmaerchen-rund-ums-stillen/

Übrigens scheint auch das Thema: “Kein Bügel-BH in der Stillzeit!” dazu zu gehören. Studien, die ausdrücklich den Zusammenhang zwischen einem höheren Milchstaurisiko und Bügel-BHs herstellen, scheinen nicht zu existieren. Stattdessen wird reihum darauf verwiesen, dass Bügel-BHs (und im gleichen Satz auch schlecht sitzende BHs) zu einem verstärkten Milchstau-Risiko führen könnten.

  • “An underwire may obstruct the milk ducts in this area–besides poking and annoying you. ” AskDrSears
  • ” Underwired bras are probably best avoided especially in the early months of breastfeeding as they could press on milk-making tissue, prevent sufficient drainage of milk and increase the risk of blocked ducts and mastitis. Milk making tissue extends under the arm pit and back to your rib cage. ” breastfeeding-support
  • Counseling the Nursing Mother, Lauwers & Swisher, 2015, S. 393 f
  • Womanly Art of Breastfeeding, LLLI, 2010, S. 481

Für die evidenzbasierte Stillberatung heißt das dann wohl: Bitte noch mal drüber nachdenken und prüfen, woran genau es denn bei der Stillenden hakt. Es kann, es muss aber keinesfalls der Bügel im BH die Ursache für Milchstau und Co. sein!

Anleitung: Still-BH richtig anpassen

Diese Anleitung kannst du Schritt-für-Schritt mit der Stillenden durchgehen. Am Ende folgt noch eine kurze Fehleranalyse, wenn es trotz oberflächlich gut sitzendem Still-BH weiterhin drückt oder kneift.

Wann passe ich einen Still-BH an?

  • Frühstens 8 Wochen vor der Geburt.
    Sowohl Brust- als auch Unterbrustumfang sollten sich nicht mehr all zu stark verändern. Für den Milcheinschuss sollte man zwei Körbchengrößen mehr einplanen, bei gleich bleibendem Unterbrustband. Ist die initiale Milchdrüsenschwellung noch deutlich größer, lieber (erstmal) keinen BH tragen, statt eines deutlich zu kleinen!
  • Nach dem Milcheinschuss.
    Die notwendige Messung zur Größenermittlung sollte so kurz wie möglich vor dem Stillen stattfinden. Die Milch verändert anfangs noch die Brustgröße, deshalb wird nach dem Stillen oft ein kleinerer Umfang gemessen, was zu einem zu kleinen Körbchen führen kann. Nach einiger Zeit werden diese Schwankungen auch geringer.
  • Zwischendurch.
    Normalstillende erleben im Laufe der Stillzeit, dass sich die Brustgröße weiter verändert. Wenn nach dem 1., 2. oder 3. Geburtstag (und natürlich auch darüber hinaus!) überhaupt noch Still-BHs genutzt werden, dann sollten sie – wie jeder andere BH auch – ab und an auf Größenaktualität überprüft werden. Siehe Checkliste zur falschen BH-Größe weiter unten!

Milchstau durch BH-Größen-Irrtum

Wenn man den unterschiedlichen Quellen glauben darf, tragen 50 Prozent bis 80 Prozent der Frauen die falsche BH-Größe. Und diese falsch ermittelte Größe kann bei einem Still-BH bei entsprechender Neigung zu einem Milchstau führen.

  • bügelloser BH: Ränder können in das Brustgewebe einschneiden, schwere/große Brüste erhalten nicht ausreichend Halt, der bügellose BH/das Stillbustier verzieht und verschiebt sich
  • Bügel-BH: der Bügel umschließt die Brust nicht, sondern liegt auf dem Gewebe auf; die Bügelenden drücken in die Brust

Milchstau tritt nicht nur bei Bügel-BHs auf. Diese althergebrachte Info ist schon deshalb kritisch, weil Stillende mit großer Stillbrust bzw. mit sehr weichem Drüsengewebe zwingend eine gute Stützung benötigen, um Rücken- und Nackenschmerzen vorzubeugen. Deshalb: Der Sitz und die Größe des BHs sind entscheidend, nicht ob mit/ohne Bügel verwendet wird!

Checkliste für die Verwendung einer falschen BH-Größe

  • Das Unterbrustband wandert nach oben.
  • Die Träger schneiden ein.
  • Es bildet sich eine Doppelbrust.
  • Der Bügel umschließt die Brust am Ansatz nicht, sondern sitzt noch tiefer.
  • Der Steg zwischen den Brüsten liegt nicht auf der Haut auf, sondern steht ab.
  • Der BH rutscht hoch, wenn die Arme angehoben werden.
  • Die Brust rutscht aus dem BH, wenn die Stillende sich vorbeugt.
  • Die Träger rutschen, doch beim kürzen wandert das Unterbrustband hoch oder eine Doppelbrust wird gebildet.

Quellen für diesen Abschnitt

Wie ermittle ich die richtige BH-Größe?

Das typische Standardvorgehen wäre:

  1. den Brustumfang und dann den Unterbrustumfang auszumessen;
  2. der Unterbrustumfang wird dann auf ein vielfaches von 5 gerundet;
  3. das ergibt so die Größe des Unterbrustbandes;
  4. die Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustband ergibt die Körbchengröße.

Siehe: Tabellen zur Größenbestimmung

Frau A misst einen Unterbrustumfang von 72 und einen Brustumfang von 85cm.
Sie bräuchte ein 70er Unterbrustband. Da die Differenz zwischen Unterbrustband und Brustumfang 15cm beträgt, bräuchte sie ein B-Körbchen. Ihre Größe wäre nach Norm 70B
.

Frau B misst einen Unterbrustumfang von 78cm und einen Brustumfang von 103 cm.
Sie bräuchte ein 80er Unterbrustband. Da die Differenz zwischen Unterbrustband und Brustumfang 23cm beträgt, bräuchte sie ein F-Körbchen. Ihre Größe wäre nach Norm 80F.

BH-Größen auf diese Art und Weise zu bestimmen, ist ziemlich ungenau. Allein die Angaben, wie fest das Maßband beim Ausmessen des Unterbrustumfangs gezogen werden sollen, variieren zwischen “locker” und “bis das Maßband fast zerreißt”. So entstehen Variationen von 5 Prozent bis 20 Prozent.

Ein weiteres Manko: Diese Mess-Methode stammt aus Zeiten, als unelastische Materalien für die BH-Produktion genutzt wurden. Mittlerweile sind die meisten Unterbrustbänder so elastisch, dass sie in der Norm-Größe ihre Stützfunktion nicht mehr erfüllen können.

Eine sinnvollere Methode ist das “austesten”:

  1. Als Ausgangspunkt wird dafür ein BH in der aktuellen Größe verwendet.
  2. Der wird dann mit den Körbchen auf dem Rücken und im äußersten Haken geschlossen angezogen, um zu bewerten wie das Unterbrustband sitzt.
  3. Es sollte straff am Körper sitzen, ohne einzuschneiden. Zwei Finger sollten unter das Unterbrustband passen und den Körper locker umfahren können.
  4. Ist das Unterbrustband zu weit, sollte die nächst kleinere Größe getestet werden, bis es angenehm straff am Körper sitzt und die Brust stützen kann.
  5. Bei einem zu kleinen, einschneidenden Unterbrustband, sollte ein größeres probiert werden.

Ist die Unterbrustbandgröße ermittelt? Dann wird der Brustumfang mittels Differenz (Rundung auf ein Vielfaches von 5) als erster Anhaltspunkt bestimmt. Anschließend ist das Austesten der korrekten Körbchengröße dran.

Frau A hat durch das austesten herausgefunden, das ihr das 70er Unterbrustband zu weit ist und sie ein 65er braucht. Die Differenz zwischen Unterbrustband und Brustumfang beträgt 20cm, das liegt auf der Grenze zwischen den Körbchengrößen C und D. Durch testen merkt sie, das sie im 65C-BH eine leichte Doppelbrust bekommt. 65D sitzt wie angegossen.

Frau B hat durch das austesten herausgefunden, das sie vom 80er bis auf ein 70er Unterbrustband herunter gehen kann, damit es richtig sitzt. Die Differenz zwischen Brustumfang und Unterbrustband beträgt nun 33cm, was einem 70K entspricht. Sie testet dieses und merkt das 70K zu groß ist, jedoch 70J passt.

In diesem Video des britischen Online-Shops Bravissimo sieht man sehr schön, wie die richtige BH-Größe durch austesten gefunden wird. Die Dame korrigiert ihre BH-Größe vom britischen 36DD (80F bei uns) auf 32FF (70I).

Fehlersuche: Wenns drückt & kneift

  1. Ist der BH richtig angezogen?

Sämtliches Gewebe muss in den BH geholt werden. Viele Frauen machen das (aus Gewohnheit oder weil es schnell gehen muss beim anziehen) falsch. Zum Gegenchecken und weiterreichen:

  • hervorragende englische Beschreibung “How to put a bra on” mit vielen Beispielbildern
  • Video der busenfreundinnen (Forum)

Oft macht das einen Unterschied von 1 bis 2 Körbchengrößen aus.
Und für Stillende bedeutet das: Entstehen Milchstau oder Druckstellen womöglich, weil der BH insgesamt nicht richtig angelegt wird?

2. Werden breite oder schmale Bügel genutzt?

Bei manchen Frauen reicht der Brustansatz bis weit unter die Achsel, bei anderen nicht. Gute BH-Hersteller bieten deshalb sowohl breite als auch schmale Bügel-BHs an. Kneift etwa der Bügel unter der Achsel, kann die falsche Bügelform “schuld” sein.

In der Stillberatung ist das ein wichtiger Punkt, vor allem bei womöglich versprengtem Brustdrüsengewebe in den Achseln. Wenn da dann der Bügel mit der unpassenden Bügelform hineindrückt, entsteht konstante Reibung an einem kritischen Punkt.

3. Die Cups sind gleichzeitig zu locker und zu eng?

Asymmetrische Brustgrößen sind alles andere als selten und häufig eine Ursache für durchgängig nicht passende Cups. In der Stillzeit kann sich diese normale Brustform noch verstärken, wie im Still-Lexikon beschrieben:

  • unterschiedlicher Milchfluss führt zur Bevorzung/Ablehnung durch das Baby
  • die Stillende bevorzugt eine bestimmte Stillhaltung – mit einer Brustseite
  • eine Seite wird besonders geschont oder besonders gründlich “entleert”

Quelle: unterschiedliche Brustgrößen in der Stillberatung & Übersicht zu diversen Brustformen

Bei der Auswahl des passenden Still-BHs gilt dann: Lieber passend für die größere Brustseite auswählen und falls nötig Maßnahmen treffen, um beide Brustseiten gleichmäßiger zu stillen.

Für Bastlerinnen: Still-BH / Pump-BH selber machen

Wer einen normalen BH recht schnell in einen Still-BH umwandeln will, für den dürften diese Links interessant sein:

Für Doppelpumpsets gibt es eine einfache Lösung mit Haargummis (anstelle von teuren Pump-Bustiers oder Pump-BHs, die im deutschen Markt nicht in allen Größe verfügbar sind!) für eine hands-free-Pumpsession:

Fachgerechte Beratung (nicht nur in der Stillzeit!)

Eine gute Beratung zu finden ist nicht gerade einfach. “Bra-Fitter” sind im deutschsprachigen Raum längst noch nicht überall vorhanden. Wir empfehlen von Herzen das Forum Busenfreundinnen.net oder eine kompetente Fachberatung in einem Geschäft (möglichst mit klar gekennzeichneten Bra-Fittern!).

Bezugsquellen

Im deutschsprachigen Raum gut vertreten sind typische “Still-BHs” aus den Kleidungs-Diskountern. Die sind aber in der Regel nur in den gängigen (wie wir oben gelernt haben: fehlerhaften) Standardgrößen verfügbar.

Alternativen für Stillende können folgende Shops & Anbieter sein, mit vielfältigem Größenangebot – in den Klammern sind die jeweils verfügbare Bestellsprachen aufgelistet:

Fehlt noch was? Dann schreib uns doch bitte fix an, wir ergänzen gerne! Mail: sabrina@stillbela.de.

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